Ausgabe 2008 - 2   |   Mai-Juni-Juli-August


 

 

Küche - Kinder - Frauensache?
von Bettina Reinisch


In ihrem Weißbuch Frauen - Schwarzbuch Männer beschreiben die beiden Autorinnen Sibylle Hamann und Eva Linsinger gleichermaßen ausführlich wie eindringlich, warum es uns Frauen trotz all der Erfolge der vergangenen 30 Jahre noch immer nicht so wirklich toll geht.

Seltsam, denn vieles wurde erreicht. Angefangen beim Wahlrecht für Frauen über das Recht zu studieren bis hin zum Recht der Frau über ihr Leben selbst zu bestimmen reicht die Palette der Erfolge. Der Feminismus hat tatsächlich viel erreicht.

Aber: Die Männer haben leider nicht so ganz mitgezogen. Der Mann, der einkauft, kocht und Wäsche wäscht, die Windeln wechselt und mit dem Kind lernt - kurz, der Mann, der im Haushalt nicht nur “mithilft”, sondern seinen Teil ganz selbstverständlich erledigt und sich genauso zuständig fühlt für all die Dinge, die im Haushalt und bei der Kindererziehung anfallen, ist ein höchst seltenes Exemplar.

Aber - das haben Hamann und Linsinger fein herausgearbeitet - er hats auch gar nicht so leicht. Denn die Rahmenbedingungen, die Gesetze und die Vorgaben der Firmen, unterstützen Männer nicht, die wirklich, ganz ernsthaft halbe-halbe machen wollen.

Zu diesen Rahmenbedingungen zählt zum Beispiel, dass es nach wie vor eine Einkommensschere zwischen Frauen und Männern gibt, die eklatant ist. Und das Verblüffende: je besser die Jobs, desto größer die Schere. Frauen verdienen im selben Job bis zu 30 Prozent (sic!) weniger als ihre männlichen Kollegen.

Ganz pragmatisch bedeutet das - davon abgesehen, dass es himmelschreiend ungerecht ist - dass in Partnerschaften in der Regel ER der besserverdienende Part ist. Finanziell ist es also zweifellos in 99 Prozent der Fälle günstiger, SIE geht mit dem ersten Kind in Karenz. Und schon ist die alte Ordnung wieder ein bisschen hergestellt.

Naturgesetz? Wohl kaum. Dass es auch anders geht, beweisen die skandinavischen Länder und viele andere europäische Staaten.
Schockierend: Österreich - wie übrigens auch Deutschland - steht in dieser Einkommensstatistik ganz schlecht da. Da geht es ja den Frauen in Spanien und Griechenland noch besser.

Wer aber schafft solche Rahmenbedingungen? Naja, hauptsächlich wieder die Männer. Denn sie sitzen an den Schalthebeln, in den Ministerien, machen Gesetze und Verordnungen. An den Menschen vorbei.

Und so werden kompetente Frauen mit hoher Bildung vom Arbeitsmarkt verdrängt. Sie haben gewaltige Potenziale. Sie wissen viel, sie können viel, sie leisten viel - wenn man(n) sie lässt und entsprechende Rahmenbedingungen schafft. Doch gerade daran mangelt es. Und das ist schlicht und ergreifend - schon aus rein volkswirtschaftlicher Sicht - pure Verschwendung an Ressourcen. 

Darüber hinaus passiert aber noch etwas anderes: Wie nicht mehr zu übersehen ist, gibt es einen enormen Geburtentrückgang. Nicht in Island, nicht in Norwegen, auch nicht in Frankreich (in all diesen Staaten nämlich gibt es Maßnahmen, die Müttern und Vätern das Leben erleichtern) - sondern hier in Österreich. Immer weniger junge Frauen und Männer wollen Elternschaft. Woran liegt das? Viele trauen sich nicht. Viele sehen zu große finanzielle Belastungen. Und viele Frauen ahnen, dass sie ohne Kind einigermaßen emanzipiert leben können, aber mit Kind das Risiko exorbitant steigt, als Mutter in eine Art Gefangenschaft zu geraten. Zu schwach sind die Angebote der Männer, wirklich mitzuarbeiten, zu stark sind andrerseits die Bilder, was eine “gute Mutter” alles können und leisten muss - für das Kind - und für den Partner.

Unbewusst wissen junge Frauen: Ein Leben mit Kind wird kompliziert. Die Rolle als Mutter bürdet zu viel auf. Und deshalb lassen sie es lieber bleiben.
Und was macht die Politik? Sie schläft. Sie versucht mit Geldzuwendungen und Väterkarenzmonat Frauen zum Gebären zu verführen. Ernsthafte und kluge Maßnahmen sähen anders aus. Schade. Und sehr sehr dumm.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Redaktionelle Beiträge müssen nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.
HINWEIS ZUM URHEBERRECHT. Diese Artikel, Vorträge und Präsentationen oder Teile daraus dürfen, in welcher Form oder mit welchen Medien auch immer, ohne schriftliche Genehmigung der Autorin weder reproduziert werden noch in Datenbanken oder  Archivsystemen gespeichert bzw. aufbewahrt werden.

Home
..................................


Weitere Artikel:

Karriere selbst gemacht
..............................
Bekenntnisse einer Handarbeiterin
...............................
Lesben und Depression-
eine neue Selbsthilfegruppe

 

Artikel.Archiv

Foto: © sfabach Diese Seite drucken