Ausgabe 2009 - 1    |   Jänner - Juli 2009


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Sabine Fabach

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Neuer Therapieansatz bei Phobien und
spezifischen Ängsten - EMDR

von Sabine Fabach (2009)


Angst! Dieses starke Gefühl ist hilfreiche Warnung vor Gefahren, aber auch die Quelle vielfältigen Leidens.

Für Menschen, die an einer Phobie leiden, z.B. vor dem Geräusch eines Zahnärztin-Bohrers, vor Spinnen oder vor dem Überqueren einer Brücke, wird das Leben zu einem Slalomlauf rund um das angstauslösende Objekt. Und es ist schwer, anderen Menschen das Ausmaß der Ängste verständlich zu machen.


„Reiss dich zusammen, es ist ja nur …..“ hilft genauso wenig wie logische Beteuerungen und Erklärungen, dass nichts passieren kann.

Selbst wenn der Verstand der betroffenen Person weiss, dass die Brücke nicht einstürzen wird, entsteht dennoch eine nicht zu steuernde Angst-Reaktion im Körper. Entgegen aller Vernunft entwickelt sich eine Gewissheit, dass die Brücke einstürzen und die Person den Tod finden wird. Dieser Gewissheit folgt eine körperliche Reaktion von höchster Bedrohtheit wie rasender Herzschlag, Zittern, Schweißausbruch und ein immenses Fluchtbedürfnis. „Nichts wie weg aus dieser tödlichen Situation“ schreit alles in der Person. Und diese Reaktion ist vom Verstand nicht zu kontrollieren.

Was sind Phobien?

Eine Phobie ist eine sehr starke Angst vor einem bestimmten Objekt oder einer Situation. In der Folge werden diese Situationen typischerweise vermieden oder mit Furcht ertragen. Allein die Vorstellung, dass die phobische Situation eintreten könnte, erzeugt meist schon Erwartungsangst und damit körperlichen Stress.

  1. Die Angst wird durch eine bestimmte eingeschränkte Gruppe von Reizen oder Objekten (z.B. Schlangen, Hunden, Injektionen usw.) ausgelöst.

  2. Die Konfrontation mit dem Reiz oder Objekt löst starke Angst und den unbedingten Wunsch der Vermeidung dessen aus.

  3. Die Angst ist so unangemessen und so stark, dass sie den/die BetroffeneN in ihrem /seinem Alltagsleben beeinträchtigt.

Es gibt Phobien vor Tieren (Spinnen, Insekten, Hunde, Vögel, Nagetiere, Haie usw.), vor Umweltumständen (Höhe, Wasser, Stürme usw.), vor Situationen (geschlossene Räume, das Autofahren, das Fliegen, Brücke, usw.) und vor Blut, Spritzen oder Verletzungen.

Inwieweit kann EMDR als Methode helfen?

EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing’) hat sich in den letzten Jahren auch in Europa zu einer der führenden Methoden in der Behandlung von seelischen Störungen nach psychischen Traumatisierungen entwickelt.

Kernstück der Methode ist dabei ein auf den ersten Blick ungewöhnlicher Prozess, bei dem die KlientIn sich auf bestimmte Anteile der traumatischen Erinnerung konzentriert und gleichzeitig den Fingerbewegungen der/s Therapeutin/en folgend, die Augen bewegt.

Dadurch wird offensichtlich ein Informationsverarbeitungsprozess ausgelöst, in dem durch spontane assoziative Verbindungen oder einfaches Verblassen des Traumas für viele KlientInnen eine zügige affektive Entlastung spürbar wird.

Bei einer EMDR-Behandlung hängt die Heilung nicht davon ab, dass die Erinnerungen an ein traumatisches Ereignis vollständig reaktiviert werden. Vielmehr liegt bei dieser Art der Behandlung das Schwergewicht darauf, belastende Bilder, einschränkende Überzeugungen und dysfunktionale Verhaltensweisen, die aufgrund realer oder vorgestellter früher Erfahrungen im Körper-Geist-System des Menschen fixiert sind, aufzulösen, sodass die/der betreffende KlientIn wieder vollständig und frei in der Gegenwart leben kann.

Daher ist für die Bearbeitung einer Phobie mit EMDR Voraussetzung, dass die Phobie die Folge einer traumatischen Erfahrung ist.

In vielen Fällen können die Betroffenen keinen Zusammenhang zwischen ihrer Phobie und einem hochbelastenden Ereignis herstellen, entweder weil das Ereignis „vergessen“ wurde oder der Zusammenhang nicht so geradlinig ist, um gleich ins Auge zu fallen.

In einem einleitenden Gespräch geht es daher zuerst darum, zu klären, ob gemeinsam eine Verbindung zwischen Angst und auslösendes Ereignis gefunden werden kann oder ob ein traumatisches Ereignis als Auslöser sehr wahrscheinlich ist, aber verdrängt bleibt.

Wenn das traumatische Ereignis gefunden wird, kann EMDR helfen, diesen unzureichend verarbeitete Erfahrung noch einmal durchzuarbeiten und zu integrieren. Bei Phobien ist es aber auch notwendig, eine neue Vorstellung eines angstfreien Umganges mit dem Objekt der Angst zu installieren. Dieses Objekt ist ja im Gedächtnis als angstauslösend und bedrohlich abgespeichert. Auch dieser Gedächnisinhalt wird mit EMDR bearbeitet und aufgelöst und eine positive Einstellung visualisiert.

Das bedeutet, dass das traumatische Ereignis, das Objekt der Angst und ein zukünftiges positives Bild des Umganges mit Hilfe von EMDR durchgearbeitet wird.

Ist das auslösende traumatische Ereignis nicht bekannt, kann einfach mit der angstauslösenden Situation begonnen werden. „Was ist der schlimmste Moment und was befürchten Sie genau?“ könnte die startende Frage sein. In einigen Fällen tauchen im Laufe des Prozesses Erinnerungen an das Ursprungstrauma auf.

Der Abschluss der Therapie ist, wenn möglich, die Konfrontation mit dem Objekt, der Situation der Angst. Hat sich die automatisierte Angst-Reaktion des Körpers verändert oder gar ganz gelöst?
Wenn ja, dann öffnen sich im Leben neue Freiheiten und Wege.

Bei Phobien sind oft nur vereinzelte Traumata die Ursache der spezifischen Angst und daher erlebe ich als Therapeutin immer wieder voll Freude, in welch kurzer Zeit EMDR deutlich spürbare Veränderungen und Erleichterungen für die Klientin bringen.

Vielen Dank an Dr. Ad de Jongh (Niederlande) und seinen Forschungsarbeiten zu diesem Thema.


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