Ausgabe 2009 - 1    |   Jänner - Juli 2009


Zahlner
Ulrike Zahlner

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Somatic Experiencing /SE ®  -  Traumatherapie
von Maga. Ulrike Zahlner (2009)


Psychotraumatologie ist eine Wissenschaftsdisziplin, die sich mit den Ursachen, dem natürlichen Heilungsverlauf und den therapeutischen Behandlungsmöglichkeiten traumatischer Erfahrungen befasst.

Das Phänomen Trauma ist in unserem Leben allgegenwärtig. Viele Menschen haben im Lauf des Lebens traumatische Erfahrungen gemacht. Ein Trauma ist jedes besonders belastende Ereignis außerhalb der normalen menschlichen Erfahrungsnorm, das das subjektive Erleben von absoluter Überwältigung, Hilflosigkeit, Ohnmacht und existenzieller Bedrohung sowie intensive Furcht und Entsetzen auslöst. Auch das Miterleben solcher Situationen kann traumatisierend wirken.

Überwältigende Erlebnisse und Schocktraumata wie Verkehrsunfälle, Stürze, Operationen, schwere Krankheiten, Missbrauch, Gewalt und Bedrohung, Verlust eines nahen Menschen, Naturkatastrophen, Krieg u. a. mehr können das Leben der Betroffenen tiefgreifend verändern. Viele Menschen können schwere Erlebnisse aus eigener Kraft gut verarbeiten.

Bei anderen entstehen verwirrende, beängstigende Symptome wie Übererregbarkeit, Schlaflosigkeit, Panik, Depressionen, Ängste, Lern- und Konzentrationsstörungen, psychosomatische Beschwerden u. a. 
Symptome können ihre Wurzeln auch in Ereignissen haben, die wir nicht erinnern oder die allgemein als 'übliche' Geschehnisse angesehen werden wie Unfälle, medizinische Eingriffe, Verlust oder länger andauernde emotional belastende Erfahrungen.

Traumata wurden bisher als psychische Störung verstanden. Die während eines bedrohlichen Ereignisses ablaufenden körperlichen Reaktionen und die wichtige Rolle, die der Körper bei der Entstehung von Trauma spielt, finden leider noch zu wenig Beachtung.

Peter A. Levine hat in 35 Jahren Forschung erkannt, dass die Grundlage von Trauma eher physiologisch als psychisch ist. Wenn unsere angeborenen Überlebensreaktionen wie Kampf und Flucht nicht möglich sind,  folgt ein Zustand der Erstarrung (freeze) und des Kollaps. Bleibt der Organismus in freeze oder Kollaps über längere Zeit stecken, entsteht als Traumafolge eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Der Organismus reagiert, als würde die Bedrohung immer noch anhalten.

Trauma ist also ursprünglich ein Schutzreflex des Körpers in einer bedrohlichen Situation, keine psychische Störung. Mechanismen wie Erstarrung und Dissoziation helfen uns, die Situation durchzustehen. Löst sich dieser Schutzreflex jedoch nicht, sobald die Bedrohung zu Ende ist, entsteht ein Teufelskreis, der zur Überlastung des Systems führt.

Ständige Übererregung und Stress (Hyperarousal), aber auch Kraftlosigkeit, rasches Ermüden,  Ohnmachtsgefühle, Angst, Alpträume und Flashbacks, chronische Muskelverspannungen und Syndrome, Schmerz, Schwindel, veränderte Körperwahrnehmung, Konzentrations- und Sehstörungen und viele andere Beschwerden auf körperlicher und psychischer Ebene sind die Folgen.

Gedanken und Gefühle, Verhalten und Überzeugungen traumatisierter Personen sind noch mit den erschreckenden Erfahrungen der Vergangenheit gekoppelt und diese können jederzeit durch so genannte Trigger wieder neu ausgelöst werden.

Die oben angeführten Symptome sind Hinweise auf das Vorliegen einer PTBS, die auch erst nach längerer Zeit oder in einer späteren Lebensphase auftreten kann. Meist kann keine organische Ursache nachgewiesen werden, häufig kommt es zu Fehldiagnosen.

Ein Kennzeichen von Traumasymptomen ist, dass sie sich verselbstständigen und verändern. Hauptsächlich aus diesem Grund versagen viele Therapieformen bei der Erkennung und der Behandlung von Trauma.

SE – Prinzipien für die Traumaverarbeitung:

Bei der Aufarbeitung traumatischer Erfahrungen muss deshalb die körperliche Reaktion auf das verursachende Ereignis verstanden und berücksichtigt werden.

SE arbeitet in besonderer Weise mit den Folgen von Schock und Trauma in Psyche, Körper und Nervensystem.

Es berücksichtigt die physische Struktur, somatische Auswirkungen, Emotionen und systemische Aspekte.
Die während des traumatischen Ereignisses ’eingefrorene Energie’ wird dabei in kleinen Dosen (titriert) ’aufgetaut’ und kommt schrittweise zur Entladung. Das System kommt wieder in Fluss.
Jede Überforderung und Katharsis wird dabei vermieden. Erdung, die Arbeit mit Ressourcen und die eigene Körperwahrnehmung (’felt sense’) ermöglichen den Zugang zu den biologischen Abwehrreaktionen, die zum Zeitpunkt der Überwältigung nicht zur Verfügung standen.

Wir Menschen besitzen die Fähigkeit, Trauma zu verarbeiten und uns wieder zu erholen. Viele der Symptome sind reversibel. Durch achtsame Begleitung können Betroffene wieder zu mehr  Selbstwirksamkeit, körperlicher Selbstregulation, Selbstannahme und Lebensfreude finden.

SE Arbeit beinhaltet

  • die körperliche, psychische und soziale Stabilisierung,
  • die Aktivierung von Selbstregulation und persönlichen Ressourcen und
  • das langsame Entkoppeln von physiologischer und psychischer Traumareaktion (Triggersituation) und somatischer Dissoziation.
  • Entscheidend ist nicht das Ereignis selbst, sondern die Art und Weise, wie das Nervensystem mit der Bedrohung fertig wird. Ein Trauma kann auch bearbeitet werden, ohne über das Ereignis zu sprechen.
  • SE ist keine übertragungs-  und problemorientierte Methode.
  • SE beinhaltet auch die Arbeit mit chronischen Schmerzen und Syndromen (chronische Müdigkeit, Fibromyalgie, Asthma, Migräne…), dafür werden unter anderem auch SE-spezifische Augenarbeit und Körperarbeit eingesetzt.

Wie die Methoden Pat Ogden’s,  Babette Rothschild’s und Anngwyn St. Just’s ist SE eine somatische Psychotraumatologie.

SE eignet sich auch für die Traumaarbeit mit Kindern.

Eine lange und intensive Ausbildung,  Selbsterfahrung und Supervision stellen sicher, dass SE – TherapeutInnen eigene traumatische Erfahrungen bearbeitet und möglichst integriert haben, um  Klientinnen bei der Traumaverarbeitung gut und sicher begleiten zu können.

Weitere Infos unter email: uzahlner@a1.net         http://www.uzahlner.at

Literatur:          Peter A.Levine: Trauma-Heilung; Synthesis
                          Babette Rothschild: Der Körper erinnert sich, Synthesis


. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Redaktionelle Beiträge müssen nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.
HINWEIS ZUM URHEBERRECHT. Diese Artikel, Vorträge und Präsentationen oder Teile daraus dürfen, in welcher Form oder mit welchen Medien auch immer, ohne schriftliche Genehmigung der Autorin weder reproduziert werden noch in Datenbanken oder  Archivsystemen gespeichert bzw. aufbewahrt werden.

Home
..................................


Weitere Artikel:

EMDR - Neuer Therapieansatz bei Phobien und spezifischen Ängsten . .
..............................
scatach - Schule für Lebens- und Sozialberatung ...

...............................
Shiatsu in der Frauensache
..............................
Kräuterecke: Das Gänseblümchen

 

Artikel.Archiv

Foto: © Ulrike Zahlner
2. Bild: © s.fabach
Diese Seite drucken