Ausgabe 2009 - 2    |   August 2009 - Februar 2010


Fabach

 

 

 

 

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Sich Selbst mögen - Ein Landkarte
Sabine Fabach & Christina Metz (2009)


Für eine sind es die zusätzlichen Kilos, für eine andere fehlende
Sprachkenntnisse, oder die eigene Unsicherheit, die zu steten Selbstvorwürfen führen. Welche Frau kann mit ganzem Herzen behaupten, sie liebe sich selbst genau so wie sie ist?
Wir möchten einige Wegmarkierungen oder Überlegungen weitergeben, die helfen können, sich selbst mehr ins Herz zu schließen.

Wenn ich nur das an mir ändern könnte, dann mag ich mich ...

Sich selbst zu mögen hat nichts mit perfekt sein zu tun.
Eine Freundin erzählte von ihrem ganz persönliches AHA, als sie sich eines Abends mit einer Bekannten traf. Die Bekannte sagte, sie würde nichts mehr essen, nur etwas trinken. Der Grund – die kräftigen Rundungen – war offensichtlich. Ihr Übergewicht war ihr nicht egal, sie versuchte sich gesund zu ernähren und fuhr regelmäßig Rad. An diesem Abend ist es meiner Freundin klar geworden: ihre Bekannte fühlte sich trotzdem wohl in ihrer Haut. Ob ihre Diät gelingen würde oder nicht, würde für ihre Gesundheit einen Unterschied machen, aber nicht  für ihre Selbstliebe. Sie mag sich mit und ohne Rundungen – und dies machte sie als Mensch attraktiv.

Für meine Freundin war der Abend eine Weggabelung. Sie dachte immer wieder an ihre Bekannte und lernte Schritt für Schritt ihre Zuneigung und Akzeptanz nicht mehr von wenn und dann anhängig zu machen.
Wie kann ich mich jetzt mögen, einfach so wie ich jetzt bin? Das bedeutet nicht, sich nicht mehr weiterentwickeln zu wollen. Sondern es bedeutet, damit aufzuhören, sich ständig
selbst die Botschaft zu übermitteln, ich bin jetzt nicht ok, ich müsste anders sein. Aber wie soll sich mein Selbstbewusstsein stärken, wenn ich mir selbst täglich predige, dass ich nicht richtig bin?

Ich sollte alles tun können...

In der Steiermark gibt es die schönsten Apfelbäume. Die sind rund und stehen im Sonnenschein auf grünen Hügeln. Ihre Frucht ist süß und knackig.  Einfach perfekt. Allerdings, diese Bäume geben niemals Orangen her. Die geben nicht einmal jedes Jahr gleich viele Apfel her. Ich kenne niemanden, der  Äpfelbäume deswegen beschimpft. Aber wie es ist mit uns?

Wollen Sie eine kuschelige Mama sein und eine schlanke, modische Geschäftsfrau? Wollen Sie handwerklich geschickt sein, backen wie ein Profi und Marathon laufen? Würden Sie gerne  - und gleichzeitig – ein Arbeitsteam leiten, moderieren, neue Projekte entwickeln und die Finanzen kontrollieren?

Einige von uns können mehr unter einen Hut bringen, andere weniger. Aber all Frauen kommen früher oder später an ihren Grenzen. Dann ist es hilfreich, sich bewusst zu werden: Was kann ich und was kann ich nicht? Wo kann ich anderen helfen und wo sollte ich Hilfe annehmen? Und sie müssen nicht alles können um sich selbst zu mögen und zuschätzen.

Immer gibt es jemanden, die oder der etwas besser kann oder souveräner ist oder geschickter, schneller und wortgewandter, witziger und erfahrener. Und wenn Sie sich erst schätzen wollen, wenn Sie besser als andere oder wenigsten gleich gut sind, wie all die anderen, dann wird es noch lange dauern, bis sie Zufriedenheit mit ihrem Leben verspüren werden. Und außerdem ist der Stress groß, alles zu können und alles besser zu können. Aber es ist sehr schwer aufzuhören, den eigenen Wert daran zu messen, was Sie alles können und zu beginnen, dass zu Schätzen und sich daran zu erfreuen, was jetzt schon da ist und wer Sie jetzt schon sind.

Die inneren KritikerInnen

Wie sehr wir uns mögen oder auch nicht erkennen wir am Besten, wenn wir unsern inneren Stimmen zuhören, bzw. wie wir mit uns selbst sprechen.

Die meisten kennen die kritische Stimme in uns, die uns all die Möglichkeiten des Versagens vor Augen führt, wenn wir versuchen einen Vortrag oder eine Präsentation zu planen. Oder die uns unerbittlich ausschimpft, wenn uns ein Fehler unterlaufen ist.
Diese inneren KritikerInnen treten glaubwürdig und prophetisch auf und verunsichern uns gerade in schwierigen Situationen. Die Hauptbotschaft an uns ist wieder, dass wir nicht ok sind wie wir sind und uns schleunigst ändern sollten.

Aber das ist sehr schwer mit einer Stimme im Hintergrund, die uns immer erfolgreich verunsichert und kein Vertrauen zu uns hat.

Das Paradox der Liebe zu sich selbst

Manchmal wird Selbstliebe mit Narzissmus oder auch Egoismus verwechselt, aber das sind zwei paar Schuhe. Narzisstische Menschen sehen nur sich selbst  und sind gefangen in ihren Gedanken über sich selbst. Die/der Narzisst muss sich selbst ständig über Andere stellen.

Wer sich selbst mag und sich so wie sie ist, respektiert, muss andere nicht abwerten und starr auf die eigenen Bedürfnisse sehen. Wer sich selbst mag, hat viel inneren Raum für andere da zu sein und andere zu unterstützen.  Wer sich mit dem eigenen Schmerz und der eigenen Unsicherheit angefreundet hat, versteht den Scherz der anderen viel leichter.

 Aber wie lerne ich mich selbst zu mögen?

Der erste Schritt besteht im aufgeben der Illusion, dass ich mich dann mögen werden, wenn ich mich nur in diesem und jenem Punkt geändert haben werde. Sich selbst zu mögen beginnt immer jetzt, da wo ich jetzt bin.

Der zweite Schritt ist das langsame Freundschaft schließen mit allen Aspekten meiner Person. Nicht nur mit den starken und liebenswerten Seiten, sondern auch mit den ungeliebten, schwierigen, ängstlichen und ungeholfenen Seiten in mir.

Stellen Sie sich ein Vogelnest vor, mit vielen verschiedenen Küken darin. Dann gibt es noch einen großen Muttervogel, die die Küken füttert und beschütze. Und sie füttert nicht nur die hübschen, netten und braven, nein, sie füttert alle und sie wirft auch keines aus dem Nest, weil es zu laut schreit oder zu unsicher ist oder nicht hübsch genug ist. Wir sind all diese Küken und wir sind auch der Muttervogel und es liegt an uns damit aufzuhören, einige der Küken immer wieder aus den Nest werfen zu wollen.

Wenn wir lernen, uns mit allen Aspekten anzufreunden und sie wirklich kennen zu lernen,  erkennen wir die liebenswerten Seiten auch des anfangs unsympathischsten  Kükens in uns.

Und Schritt für Schritt merken wir, dass wir zufriedener und selbstbewusster werden, da wir aufhören mit uns selbst zu kämpfen und uns selbst klein zu machen. Und die Dinge, die wir anfangs verändern wollten, gehen plötzlich wie von selbst leichter oder auch nicht. Aber es ist nicht mehr so wichtig, weil wir uns so oder so richtig gerne mögen.

 

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