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Imago-Beziehungstherapie

Duett statt Duell - Therapie für Paare, die miteinander wachsen möchten


    von © Irene Ertl (2008)


    "Wie kann Liebe gelingen?" Diese Frage stellen sich Menschen schon lange. Unzählige Bücher und Vorträge sind zu diesem Themenkreis in den letzten 30 Jahren veröffentlicht worden. Die Systemische Psychotherapeutin Irene Ertl stellt hier die von ihr praktizierte Imago-Beziehungstherapie vor

    Der Wunsch nach einer gelungenen Beziehung ist laut Untersuchungen ungebrochen groß. Im Gegensatz dazu stehen jedoch wachsende Scheidungsraten. Hier scheinen Wunsch und Realität auseinander zu klaffen.
    Heute wissen wir, dass Paare, die relativ früh in ihrer Beziehung fachliche Unterstützung annehmen, zufriedener sind und mehr Stabilität in ihrer Beziehung erleben. Oft können schon wenige Impulse, fachliche Gespräche oder der Austausch in Gruppen enorm weiterhelfen.

    Eine der Möglichkeiten, Paare zu unterstützen, ist die Imago-Beziehungstherapie. Entwickelt wurde sie von dem amerikanischen Therapeuten Harville Hendrix. Sein Ansatz ist eklektisch und setzt sich aus tiefenpsychologischen und verhaltenstherapeutischen Ansätzen, der spirituellen Tradition des Abendlandes, Elementen der Transaktionsanalyse, der Gestalttherapie, der Systemtheorie und der Kognitiven Therapie zusammen.

    Zugrunde liegt die Annahme, bei der PartnerInnenwahl nehme das Unbewusste einen großen Anteil ein. "Die gut geordneten, logischen Gedanken unseres bewussten Verstandes sind nur ein dünner Schleier über dem Unbewussten, das ständig aktiv an unserem Leben teilnimmt." (Hendrix: Soviel Liebe wie du brauchst, S 27.)
    Demnach stecke in jedem Menschen die tiefe Sehnsucht, durch sein Gegenüber das verloren gegangene Ganzheitsgefühl wieder vermittelt zu bekommen. Wir versuchen, quasi die "alten Bedingungen" unserer Kindheit wieder herzustellen, um hier Heilung zu erfahren.

    Darin genau liegt die Chance, da mittels professionell geführter Dialoge das Paar wieder miteinander in eine tiefe Verbindung gebracht wird und die Erinnerung an die eigene Kindheit mit hineinfließen kann und soll. Konflikte werden als Chancen zu einem gemeinsamen Wachstum verstanden und mittels der einfühlsamen und sehr achtsamen Dialoge, die das Paar schrittweise erlernt, kommen Wertschätzung und Achtung in die Beziehung zurück.

    Die Arbeit mit Imago ist eine sehr spannende Reise für alle Beteiligten, für das Paar und den/die begleitende TherapeutIn. Oft gibt es Momente tiefer Berührtheit, wenn nämlich ein tiefes Verstehen des Gegenübers einsetzt anstelle von vorherigen Schuldzuweisungen und das Wissen sich Platz macht, dass der/die PartnerIn genauso viele (Kindheits)verletzungen hat wie man selbst.

    Die Hauptpfeiler dieser sehr behutsamen Begleitung sind große Wertschätzung, Empathie und die vielfältigen Dialoge, die das Paar mit dem/der TherapeutIn erlernt. Eine weitere Basis ist die Betonung, dass das Paar miteinander arbeitet und in Verbindung tritt und es weniger um den Kontakt zum/r TherapeutIn geht.

    Ich selbst arbeite mit diesem Ansatz und habe ihn sehr zu schätzen gelernt. Paare, die sich auf dieses Abenteuer und diesen Prozess einlassen, gehen ganz gewiss verändert daraus hervor. Ein gemeinsamer Reifungsprozess ermöglicht, mehr auf den eigenen Anteil, die eigene Geschichte und die eigenen Verletzungen zu schauen.

    In der Sitzung bekommt das Paar "Werkzeuge" für zu Hause mit und kann darauf zurückgreifen, wenn es schwierig wird. In diesem Sinne ist so ein gemeinsames Erlernen von achtungsvoller und verständnisvoller Kommunikation die beste Prävention gegen Beziehungsstörungen und Trennung.

    Als Therapeutin habe ich eine "neutrale" Stellung in der Arbeit und gehe davon aus, dass das Paar gemeinsam die Probleme erschafft und auch die Lösungen gemeinsam finden kann. Natürlich gibt es Verhaltensweisen, die nicht zu tolerieren sind, wie etwa Gewalt, Suchtverhalten etc.. Hier muss speziell damit gearbeitet werden.

    Diese noch sehr neue Art mit einem Paar zu arbeiten wird zunächst in der Weiterbildung in der eigenen Beziehung des/der TherapeutIn geübt und verinnerlicht. Für mich war sehr berührend, dass ich selbst in meiner eigenen Beziehung viele Dinge erkennen konnte, die noch verbesserungswürdig sind und wo mir Imago für viele unbewusste Prozesse noch einmal die Augen geöffnet hat. Mein Partner war bei der Ausbildung mit dabei (was sehr gewünscht wird) und ich habe all die Dialoge und Werkzeuge gleich an mir selbst erfahren und geübt.

    Die Imago-Beziehungstherapie ist eine Möglichkeit unter vielen und nicht das "Allheilmittel" für alle Beziehungsprobleme. Ihr Beitrag zur Paartherapie scheint mir aber wesentlich. In keinen anderen Sitzungen mit Paaren konnte ich solch eine Berührtheit und Verbundenheit spüren, wie das in vielen Imago-Sitzungen möglich war.

    aus: Frauensache-Zeitung, 9.Jahrgang, 2008-1

    DSA Irene Ertl MSc
    System. Psychotherapie, Coaching, Imago-Beziehungstherapeutin
    Praxis: Preysinggasse 48/12, 1150 Wien
    Tel. 0699/10 60 92 00