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M O B B I N G   -   Psychoterror am Arbeitsplatz und seine Bewältigung



Buchpräsentation: Christa Kolodej (1999): Mobbing. Psychoterror am Arbeitsplatz und seine Bewältigung. Mit zahlreichen Fallbeispielen. WUV - Verlag.



Mobbing:  für die Betroffenen bedeutet dies, ein Trauma bewältigen zu müssen, einen tiefen Schock erlitten oder auch einen innerlichen Bruch erlebt zu haben.
Sie leiden unter gravierenden psychischen Beschwerden, die von Konzentrationsproblemen bis zu Depressionen und Selbstmordgedanken reichen.
Mobbingerlebnisse haben bei langanhaltender Dauer eine dermaßen traumatisierende Wirkung, daß sie von den normalen psychischen Kräften nicht mehr bewältigt werden können. Die Folge ist das Auftreten schwerwiegender physischer Folgeerscheinungen, die von Kopf- und Magenschmerzen, Übelkeit, Schweißausbrüchen, Ein- und Durchschlafstörungen bis zu Herz - und Kreislaufproblemen gehen können.
Die Behandlung so entstandener Krankheitssymptome verursacht jährlich enorme medizinische Kosten. Zudem entstehen Kosten für die Betriebe durch die Verschlechterung des Betriebsergebnisses, vermehrte Krankenstände, Motivations- und Leistungsabbau sowie Fluktuation und Neueinschulungen aufgrund von Kündigungen.

Mobbing  ist kein neues Phänomen am Arbeitsplatz, es ist lediglich die Umschreibung des alten Sachverhaltes der Konflikteskalation im Berufsleben mit einem neuen Begriff, sodaß die Thematik neu beleuchtet ins Bewußtsein einer breiten Bevölkerungsschicht gelangte.

Dem gezielten Psychoterror am Arbeitsplatz auf Einzelne oder Gruppen geht eine lange eskalierende Konfliktdynamik voraus. Die Positionen sind zumeist so verhärtet, daß die Chance zur Lösung kaum gegeben scheint. Niemand will den lange mit allen Mitteln verteidigten Standpunkt aufgeben, hinter die Fassaden des eigenen Tuns, des eigenen Beteiligtseins blicken. Festgehalten wird an einem unhinterfragten Standpunkt, der in Opfer- und Täterschemata kategorisiert.
In den vielen für dieses Buch (siehe unten) geführten, Gesprächen mit Betroffenen, Beteiligten, MitläuferInnen und TäterInnen verdeutlichte sich eines schnell: Mit einseitigen Betrachtungsweisen war keinem der Beteiligten gedient. Die Entwicklung läßt sich nur aus der Dynamik des jeweiligen Verlaufes beschreiben und erhellen.

Mobbinghandlungen  beziehen sich auf die unterschiedlichsten Bereiche.
Es kann zu Beeinträchtigungen der Kommunikation kommen, indem z. B. die Betroffenen ständiger Kritik ausgesetzt sind, unentwegt unterbrochen werden oder die KollegInnen den Kontakt mit ihnen meiden, sie wie Luft behandeln.
Die sozialen Beziehungen und das soziale Ansehen werden durch solche und ähnliche Handlungen maßgeblich gestört, sodaß die Betroffenen zumeist in eine starke Isolation geraten. Mobbinghandlungen betreffen darüber hinaus oft auch die Arbeitssituation selbst. Gezielte Über- und Unterforderung der Betroffenen, sinnlose Arbeitsaufträge oder das ständige Infragestellen der Entscheidungen der Betroffenen seien hier beispielhaft erwähnt.
Darüber hinaus kommt es zu physischen Gewalthandlungen in Form von gesundheitsschädlichen Arbeitsaufträgen, der Androhung von Gewalthandlungen, dem Anrichten von Schäden im Heim oder am Arbeitsplatz der Betroffenen oder in Form von sexuellen Belästigungen.

Mobbingprozesse   beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen maßgeblich und wirken sich auf die unterschiedlichen Lebensbereiche aus.
Nicht nur, daß der Bereich der Arbeit gestört wird und die existentielle Absicherung in Gefahr gerät, wird das psychische und physische Wohl in Mitleidenschaft gezogen. Oftmals wird zudem das soziale Netz durch die Ausweitung des Konfliktes auf den privaten Bereich zerstört. Je mehr Bereiche durch den Mobbingprozeß gestört werden und je geringer der individuelle Handlungsspielraum hierdurch wird, desto tiefer ist die individuelle Bedrohung des Lebenskonzeptes, die bis zum Suizid der Betroffenen führen kann.

Im Rahmen des Buches werden eine Vielzahl von Präventionsmöglichkeiten aufgezeigt, durch die Konflikte und ihre Eskalationen in Mobbing verhindert oder beendet werden können.
Es wird u.a. auf die organisatorischen Rahmenbedingungen, die Unterstützung produktiver sozialer Arbeitsbeziehungen, die Institutionalsierung eines Problembewußtseins und auf Evaluierungsmethoden von Mobbing eingegangen.
Darüber hinaus wird durch die durchgeführten Interviews mit Betroffenen gezeigt, daß die Unternehmenskultur, der damit verbundene Führungsstil und die Personalpolitik eine wesentliche Rolle bei der Etablierung von Mobbing spielen.
Relevant sind darüber hinaus die im Betrieb bestehenden Normen und Werte, die es erlauben oder eben nicht, sich Mobbinghandlungen zu bedienen.

Ein wichtiges Augenmerk wird neben der Veranschaulichung präventiver Maßnahmen auf konkrete Interventionsmöglichkeiten bei bereits bestehenden Mobbingverläufen gelegt.
Mögliche betriebliche Interventionsformen gehen hierbei u.a. von der Moderation über Supervision, Mediation, Mobbingberatung, Organisationsentwicklung, Schiedsverfahren bis hin zu Machteingriffen.
Verdeutlicht wird, daß die Interventionsmethoden dem jeweiligen Eskalationsgrad und den Rahmenbedingungen des Mobbingprozesses entsprechen müssen. Je früher eine Konfliktintervention erfolgt, desto größer sind die Chancen auf eine konstruktive Konfliktlösung.
Durch die zahlreichen Interviews mit Betroffenen und Beteiligten wurden zudem individuelle - konfliktlösende Interventionsstrategien erarbeitet und aufgezeigt. Einige Interviewte konnten den Mobbingprozeß durch ihre eigene Initiative und die Unterstützung ihres sozialen Umfeldes beenden, andere brachen unter der Last der Erniedrigungen und Demütigungen zusammen, wurden krank oder verließen im Schock die Arbeitsstelle. Bei allen Interviews mit Mobbingbetroffenen zeigte sich die selbstheilende Kraft, die durch die aktive Gegenwehr und die Unterstützung des sozialen Umfeldes entstand.
Deutlich wird, daß es wichtig ist, sich zur Wehr zu setzen; deutlich wird aber auch, daß es noch wichtiger ist abzuschätzen, ob sich dieser Kampf lohnt.
Hilfe und Unterstützung bei diesem Entscheidungsprozeß sind elementar, die Entscheidung selbst kann nur und soll bei den Betroffenen bleiben.

Das Buch soll Betroffene, ihr berufliches und privates Umfeld, Vorgesetzte sowie alle Betriebsverantwortlichen und BeraterInnen dabei unterstützen, Mobbingentwicklungen konstruktiv entgegenzuwirken.
Die Analyse einer Vielzahl von Mobbingverläufen hat gezeigt, daß Mobbing ein Phänomen ist, das wohl mit einer großen Eigendynamik verbunden ist, dem jedoch mit dem Wissen um das Phänomen, der richtigen Interventionssetzung und der Bereitschaft zur offenen Konfliktauseinandersetzung konstruktiv entgegengewirkt werden kann.
Mobbing ist so kein Phänomen, dem die Beteiligten hilflos ausgesetzt sind. Es gilt dementsprechend zu erkennen und zu vermitteln, daß der Mensch ein Teil des Systems Arbeitsplatz mit all seinen Facetten und Unliebsamkeiten ist und daß er als solcher dieses auch zu bewegen vermag.


Verfaßt von
Maga. Christa Kolodej
Mitbegründerin und Mitarbeiterin der Mobbingberatungsstelle "Work & People






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