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Perfektionismus


    von © Maga. Sabine Fabach, 2005


    Glück, Zufriedenheit und Erfolg - täglich lesen wir neue Anleitungen, wie diese drei Ziele zu erreichen wären. Wenn wir es nur richtig machen würden, dann.... .

    Jeder Tag ein neuer Kraftakt, eine neue Anstrengung, um noch besser zu werden oder um einfach gut genug zu sein. Perfekt im Job, perfekt als Partnerin, eine perfekte Figur und eine perfekte Wohnung als roter Teppich ins Glück, zu Anerkennung und Erfolg.
    Aber irgendwie funktioniert das bei den Anderen immer besser als bei sich selbst. Bei aller Anstrengung werden Sie stattdessen immer müder und genervter. Vielleicht sind Sie nicht gut genug, nicht gescheit genug, nicht liebenswert genug??? STOP! Halten Sie den Kreislauf an negativen Gedanken und Selbstvorwürfe an. Sagen Sie Nein zu dieser negativen Gedankenspirale.

    1. Was ist Perfektionismus ?

    Unter Perfektionismus verstehe ich das Bemühen, möglichst immer eine fehlerfreie Höchstleistung zu erbringen, auch wenn diese nicht nötig oder nicht möglich ist. Und ungeachtet der Tatsache, dass dieses Bemühen sehr viel Energie verbraucht und hohen Stress auslöst.

    Fast jeder Mensch ist irgendwo einE PerfektionistIn. Der Wunsch, etwas ganz genau und perfekt zu machen, kann mit viel Lust und Freude verknüpft sein. Belastend wird Perfektionismus dann, wenn die Vorstellung des Nichterreichens mit negativen Gefühlen, Selbstvorwürfen, Angst oder Ärger verknüpft ist.

    Es gibt die Unterscheidung zwischen extrovertierten und introvertierten Perfektionistinnen.
    Den Erstgenannten ist vor allem wichtig, was die Anderen von ihr denken könnten. Hier ist das Ziel die Anerkennung und Akzeptanz der Anderen.
    Bei den eher Introvertierten ist das Schlachtfeld die Summe der eigenen (sehr hohen) Erwartungen. Sie sind ausgesprochen streng und anspruchsvoll gegenüber sich selbst und verfügen über ein großes Repertoire an nicht sehr netten Bezeichnungen für sich selbst.

    2. Was macht Perfektionismus so attraktiv ?

    Es ist gar nicht so einfach, sich von seinem Perfektionismus zu trennen.
    Auf der einen Seite haben Sie ihn über eine lange Zeit eingeübt. Auf der anderen Seite hilft uns Perfektionismus, unsere Ängste im Griff zu behalten. Diese Ängste könnten sein, "Ich bin nicht gut genug", "Niemand liebt mich, so wie ich aussehe oder bin" "Niemand nimmt mich ernst" , "Ich bin nicht richtig, so wie ich bin", "Wenn ich mich auf andere verlasse, bin ich verlassen", "Es wird etwas furchtbares passieren, wenn ich einen Fehler mache" usw.

    Vielleicht erkennen Sie einen dieser Sätze als Antriebsfeder für ihre täglichen Anstrengungen.
    Es geht auch nicht darum, jede Form von Perfektionismus über Bord zu werfen, da ich z.B. sehr dankbar bin, wenn der/die FlugzeugmechanikerIn eine PerfektionistIn ist.

    Wichtig ist, dass Sie entscheiden, wo sie perfekt sein wollen und unterscheiden können, wo es nicht nötig oder möglich ist.
    Wichtig ist, dass Sie Prioritäten setzen können im Einklang mit ihren Zeit- und Energieressourcen.

    3 Wie werde ich wieder Chefin über meinen Perfektionismus ?

    Treffen Sie eine bewusste Entscheidung:
    "ich will meinen Perfektionismus auf ein angenehmes Maß reduzieren."
    Zuerst versuchen Sie herauszufinden, welche Funktion ihr Perfektionismus erfüllt. Welche Ängste hilft er im Zaun zu halten und in welchen Situationen übernimmt er die Kontrolle über ihr Leben.
    Und: Achten Sie immer wieder darauf, dass Sie keine perfekte Nicht-Perfektionistin werden müssen.

    Checken Sie Ihren Zeithaushalt: Für was verwenden Sie wieviel Zeit. Geben Sie den einzelnen Tätigkeiten und Bereichen Punkte für ihre Wichtigkeit.
    Vergleichen Sie die aufgewendete Zeit und die Priorität der einzelnen Bereiche.
    Hinterfragen Sie auch die Priorität der einzelnen Bereiche: Warum ist mir das oder das so wichtig? Welcher Wert oder welches Ziel steht da dahinter? Sind diese Werte und Prioritäten auch in meinem Lebens- und Arbeitsalltag realistisch umsetzbar?

    Die Angst vor Fehlern ist bei vielen PerfektionistInnen eine wichtige Motivation und verschiebt viele Prioritäten. Fehler sind aber auch eine gute Informationsquelle. Fehler machen uns auf Bereiche aufmerksam, die gerne verbessert werden möchten und sind somit die Grundlage für jede Weiterentwicklung.

    Sind Freude und Spass ein Punkt in ihrer persönlichen Prioritätenliste? Schieben Sie diese Aspekte weiter nach oben, da diese beiden tolle Helfer sind gegen zu große Ansprüche und Strenge.

    Eigentlich finde ich es sehr beruhigend, dass Glück nicht von Leistung und Perfektion abhängt, sondern damit verknüpft ist, dass Sie sich so mögen und akzeptieren wie Sie sind, mit all Ihren Eigenheiten und Ungenauigkeiten. Und meist ist es ja auch genau das, was Sie an anderen so liebenswert finden.