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Projektkonzept: Traumberuf: Model - Lebensgefühl: Hunger

Ein freizeitpädagogisches Konzept zur Vorbeugung von Essstörungen
für Mädchen von 9 -14 Jahren


    von © Beratungsstelle Klosterneuburg


    Traumberuf: Model
    Grundintension diese Konzeptes ist das Vorhaben mit einer Gruppe interessierter Mädchen eine Modeschau vorbereiten gestalten und durchführen. Der Hauptaspekt liegt dabei in der Beschäftigung mit dem eigenen Körper, dem Ausleben und konkreten Umsetzen persönlicher Schönheitsideale.
    Der am meisten genannte Traumberuf bei jungen Mädchen ist Model. Dafür gibt es verschiedene Gründe. So sind selbst „Supermodels“ in einem Alter, das sie als Identifikationsfiguren für Mädchen geeignet macht. Der Weg zur Traumkarriere erscheint leicht und schnell realisierbar, öde Voraussetzungen wie etwa eine abgeschlossene Schulausbildung, ein Studium oder eine Lehre sind nicht nötig, Geld wird reichlich verdient, die Abende verbringt man mit anderen Schönen, Reichen und Berühmten. Man reist durch die ganze Welt, ist unabhängig und von allen bewundert. Offenbar das Idealbild vieler Mädchen. Die einzige Voraussetzung ist makellose Schönheit, die jedoch nicht gottgegeben sein muss – da kann nachgeholfen werden. Und der erste Schritt ist die schlanke Figur.
    Das Konzept setzt an, diese Wünsche und Vorstellungen zunächst einmal als gegeben anzunehmen, keinesfalls zu kritisieren oder sachlich zu widerlegen (wie viele Mädchen schaffen den Sprung in eine große Karriere wirklich?) sondern mit dem Material pädagogisch zu arbeiten. Unter dem Motto: Model kann jede sein! Wir warten nicht auf einen „Scout“, wir entdecken uns selbst!
    Jedes Mädchen wird dazu motiviert, seine Talente einbringen. Bis eine Modeschau durchgeführt werden kann, und es soll schließlich professionell zugehen, gibt es viel zu tun. Es muss geplant, organisiert, entworfen und geschneidert werden, Marketing und Werbung gemacht werden usw. Bei diesem Prozess der Rollenaufteilung müssen sich die Mädchen sehr konkret mit ihren Stärken und Schwächen auseinandersetzen.

    Ablauf
    In Kleingruppen werden zunächst verschiedene Modelle entworfen. Pro Mädchen wird dann eines für die Realisierung ausgewählt (hier spielt neben persönlichen Vorlieben auch die Umsetzbarkeit eine Rolle).
    Das Herstellen der Kostüme erfordert unterschiedlich viel Aufwand. Wenn nur wenig Zeit und Ressourcen vorhanden sind, kann man auf bereits vorhandene Accessoires zurückgreifen, auch Tücher, Schals, Tops etc. lassen sich gut verwenden, indem man z.B. Muscheln, Blumen oder ähnliches appliziert.
    Parallel dazu befasst sich ein Unterrichtsschwerpunkt (Theorieinput) mit der Thematik. Dabei handelt es sich um einen Informationsblock zur Wissensvermittlung, einen interaktiven Teil unter Einsatz kreativer Medien und eine Nachbearbeitung .

    Die Themen sind dabei:

    Essstörungen als weibliche Form der Suchterkrankung
    Gesunde Ernährung – gesundes Leben
    Mein Körper, meine Welt, meine Grenzen

    Methoden
    Das Projekt bedient sich Methoden aus der Freizeitpädagogik und der Tanztherapie. Der therapeutische Aspekt und auch ein therapeutisches Herangehen an die Problematik bleibt bewusst ausgespart um einerseits auch nicht unmittelbar betroffene Mädchen zu erreichen und andererseits nicht „abzuschrecken“ sondern den Spaß- und Gemeinschaftsgedanken im Vordergrund stehen zu lassen. Die Beschäftigung mit Schönheit, Körper und Mode wird zwangsweise zu Diskussionen über den eigenen Körper und besonders dessen vermeintlichen Unzulänglichkeiten (zu dick, zu wenig Busen, zu kurze Beine etc.) führen. Diese werden aufgegriffen und pädagogisch genutzt und bieten auch die Möglichkeit Aufklärung über Essstörungen, den Wandel der Schönheitsideale, die „innere Schönheit“ usw. zu geben.
    Ergänzt wird dieser Ansatz durch die Durcharbeitung des Themas im Unterricht als fächerübergreifende Schwerpunktsetzung .

    Mein Körper – Körpergefühle
    Ein zentraler Bestandteil des Konzeptes sind Übungen zur Körperwahrnehmung. Nachdem das Ziel die Präsentation der hergestellten Kostüme ist, bietet die Probensituation rund um die Erarbeitung der Choreografie einen guten Rahmen für diese Übungen.
    Dabei soll den Mädchen viel Raum für die Wahrnehmung ihres Körpers und ihrer Körpergrenzen gegeben werden. Auch Tanzschritte etc. sollen selbst erarbeitet werden. Natürlich liegt die Musikauswahl bei den Mädchen. Dieser Teil des Konzeptes wird von einer Tanztherapeutin intensiv begleitet, da hier auch die Gruppendynamik eine große Rolle spielt. Schließlich müssen Rollen festgelegt, erarbeitet, verteidigt werden, Teamarbeit ist gefragt!

    Bemerkungen und Gedanken zum Thema Essstörungen
    Die Zunahme von Essstörungen vollzieht sich im gleichen Zeitraum in dem sich die Schere von vorstellbaren und realisierbaren Möglichkeiten für Frauen ständig vergrößert hat.
    In aktuellen Schätzungen wird von 5 –1o% der weiblichen Bevölkerung in westlichen Industriestaaten ausgegangen, die unter einer manifesten Essstörung leiden. „Manifest“ ist ein sich über einen langen Zeitraum entwickelndes und chronifiziertes Essverhalten, das sich zwischen Kontrollverlust und zwanghafter Selbstkontrolle bewegt und zu körperlichen und seelischen Folgebeeinträchtigungen führt. Neben den manifesten Formen gibt es jedoch auch die sogenannte latente Esssucht. Es ist die wie selbstverständlich zum Alltag gehörende Beschäftigung mit dem Essen und der Figur. Hin und wieder taucht der Drang zum Vielessen auf, manchmal wird eine Diät durchgeführt, dann wiederum folgen längere Ruhephasen.
    Ob nun berufliche Ambitionen an der Arbeitsmarktsituation scheitern oder eine begonnene Karriere mit der Geburt von Kindern abgebrochen wird oder ob eine Frau erfolgreich ist und dadurch mit ihren Wünschen im Privatleben in Konflikt gerät – sehr häufig wird die Unerreichbarkeit und Unvereinbarkeit der Lebensziele als persönliches Versagen erlebt. Eine für Frauen ganz besonders nahe liegende Form der Konfliktbewältigung ist das gestörte Essverhalten.

    Warum sind Essstörungen vorwiegend „weibliche“ Probleme?
    Soziale Klischeevorstellungen eines attraktiven Frauenkörpers haben sich im Laufe der Zeit verändert.
    Seit Jahren wird dem Schönheitsideal der sehr schlanken Frau gehuldigt. Allem Anschein nach sollten Frauen von Jahr zu Jahr weniger Umfang und Gewicht haben.
    Der Körper wird deshalb zum bevorzugten Austragungsort für Konflikte, weil er im Gegensatz zu einer komplexen Lebenssituation der eigenen Kontrolle unterliegt. Seine Mängel, seine Vorzüge und Veränderungsmöglichkeiten sind überschaubar und leichter zu manipulieren als innere Unzufriedenheit. Dieser Mechanismus spielt gerade bei Esssüchtigen eine große Rolle.
    Das Figurproblem bietet eine naheliegende Erklärung für jede Enttäuschung und Zurückweisung , durch die der Blick auf andere, möglicherweise noch schmerzhaftere Konfliktpunkte vermieden werden kann.
    Natürlich wird keine Frau aufgrund des Schlankheitsideals ess-, brech- oder magersüchtig .
    Früh erworbene Defizite bei der Ausbildung eines stabilen Selbstwertgefühles und die spätere Aktivierung der Unsicherheit lassen ein gestörtes Verhältnis zum Essen entstehen.

    Sowohl Buben als auch Mädchen sind innerfamiliären Schwierigkeiten ausgesetzt.
    Woher kommt es, dass Buben im großen und ganzen weniger anfällig sind für Essstörungen?
    Kleine Mädchen können weit weniger ihre Gefühle über das ihnen Widerfahrene in zorniger Form ausdrücken als Buben. Mädchen werden viel eher dazu erzogen, Gefühle der Wut, des Zornes, des Ärgers zu unterdrücken.
    Selbst wenn Buben starke negative Gefühle zur eigenen Person in sich tragen, haben sie in unserer Gesellschaft weit mehr Gelegenheit ihr Selbstwertgefühl nach außen zu steigern. Allgemein gelingt es Männern, Gefühle persönlicher Unsicherheit und Probleme in Partnerschaftsbeziehungen , durch berufliche Erfolge und gesteigerten und ausgelebten Geltungs- und Machtdrang kompensieren.

    Da Frauen eine enge Beziehung zum Essen haben und dazu neigen ihren Körper als Ursprung ihrer Bestätigung und Selbstachtung zu sehen, drücken sie durch Essstörungen ihr Unglück und ihren Schmerz aus. Frauen finden traditionell den Körper als Aufgabe vor – sei es ihr eigener in Sexualität und Fortpflanzung, sei es ein fremder in der Ernährung und Pflege der Familienmitglieder.

    Wir wissen, dass vor allem eine Stärkung des Selbstwertgefühls vor Suchterkrankungen schützt (bei Suchterkrankungen stehen Essstörungen bei Mädchen und Frauen an erster Stelle). Hierbei ist es besonders wichtig, die direkte Lebenswelt der Jugendlichen miteinzubeziehen. Das Konzept greift zentrale Themen der heranwachsenden Mädchen auf, ohne Bewertung oder Abwertung, setzt auf die Auseinandersetzung mit diesen Themen (Körper, Schönheit, Begehrtwerden etc.) und verwendet sowohl lustvolle Elemente aus der Tanztherapie als auch kreative Elemente (Entwerfen, Schneidern).

    Dieses Projekt ist interessant für:

    · Schulen
    · Außerschulische Jugendarbeit
    · Jugendgruppen
    · Private Initiativen

    Wir übernehmen die gesamte Durchführung, angepasst an die individuelle Situation. Zur Evaluierung des Projektes wird am Ende ein Feedbackbogen an die Teilnehmerinnen verteilt.

    mehr Informationen und Kontakt unter Beratungsstelle Klosterneuburg